Big Rodsch - The Blog

Big Rodsch - The Blog

Big Rodsch

Leben, Lieben und Loslassen... Erfahrungen - Gedanken - Impulse

Gefühle und deine Verantwortung sie...

ExperiencesPosted by Roger Bornhauser Sat, March 29, 2014 18:49:42

Was ich hier schreibe sind persönliche Erfahrungen, Beobachtungen und Ansichten und sollen als Impulse dienen. Sie sind nicht als Belehrungen oder Wahrheiten zu verstehen. rb


Was faszinierend ist!

Der emotionale Schmerz nach einem Beziehungsende und die Art, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, ist für mich schon immer etwas Faszinierendes gewesen. Die einen streichen den oder die Ex komplett aus dem Leben und damit jede Konfrontation mit Schmerz und Erinnerung. Die anderen, so aus den Augen der anderen, sind so pervers und stalken den oder die Ex auf jede erdenkliche Weise aus. Sei es im realen Leben, auf Facebook oder Twitter oder sie schauen sich noch monatelang immer wieder Fotos oder alte Nachrichten an, das für viele so nutzlos scheint, wie den Wetterbericht von 1953 zu lesen.


Intelligenter oder besser

Vorab, nichts ist für mich intelligenter oder besser. Es kommt darauf an, wie hoch die emotionale Ladung des einzelnen ist, wie weit er mit der Beziehung abgeschlossen hat und ob er die Zeit und vor allem die Kraft hat, sich mit seinem Schmerz auseinanderzusetzen.

Ich gehörte eher zu den letzteren und mein Verhalten erschien mir ziemlich dämlich und ich habe mich teilweise dafür selber verurteilt. Bis mir Wolfgang, ein weiser Freund sagte: „Übernimm Verantwortung für deinen Schmerz und projiziere ihn nicht auf die Menschen in deinem Umfeld oder ihre angebliche Schuld“.

Danke Wolfgang! Ich verstand es erst gar nicht, weil ich immer bereit war, meinen Anteil an der Beziehung zu sehen, sei es in ihrem Gelingen oder auch in ihrem Scheitern. Das half auch immer kurzfristig zu verstehen, was passiert war. Doch der Schmerz, die Trauer, die Wut und manchmal auch der Hass waren Monate später immer noch da – eingezäunt in einem emotionalen Gatter, aus dem er oft auch mal ausbrach, wenn ein Bild oder ein Lied alles zur Explosion brachte.

Was hat das jetzt aber mit "Verantwortung übernehmen" für den eigenen Schmerz zu tun?

ABER warum? In der Psychologie geht man oft davon aus, dass viele übersteigerten Ängste und emotionale Schmerzen, die durch scheinbar harmlose Ereignisse oder Anreize ausgelöst werden (wie z.B. durch Bilder, Texte oder Aussagen) einen frühen Ursprung haben, also diese nichts mehr mit der aktuellen Situation zu tun haben. Einfach gesagt, das Bild, die Person oder das Lied ist nur wie ein Eingabebefehl an ein altes Schmerztrauma, das dieses wieder aus dem Speicher hochfährt und uns in den damaligen Zustand versetzt, obwohl die aktuelle Situation gar nichts mehr damit zu tun hat. Achtung, das ist mein Verständnis dieses Phänomens.

Der Schmerz, den du durch eine Handlung oder ein Ereignis spürst, hat meistens nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern löst nur die gleichen Gefühle aus. Vereinfachtes Beispiel, das meinem Verständnis geholfen hat:

Man verliert früh als Kind einen Elternteil oder einen geliebten Menschen; sei es durch Trennung, Wegzug oder Tod und man hat nicht die Möglichkeit, dies richtig aufzuarbeiten, um zu verstehen, dass es nicht die eigene Schuld war und es auch nicht möglich war, für dich als Kind, dies zu verhindern. Daraus können Glaubenssätze entstehen wie: Ich bin es nicht wert – Ich mache alles kaputt etc., die du verinnerlichst und die unterbewusst bei dir weiterwirken.

Später als Teenager oder Erwachsener können Trennungen oder Anzeichen eines Verlassenwerdens diesen emotionalen Schmerz wieder aufleben lassen. Angefangen in (vielleicht) unbegründeter (rasender) Eifersucht, Verlassensängsten oder auch in der Unfähigkeit Trennungen irgendwann verarbeiten zu können.

Das spannende ist, dass auch harmlose Ereignisse, wie das Zuspätkommen oder der Nichtanruf deines Partners eine leichte bis mittelschwere Panikattacke auslösen können und du stundenlang, schweißgebadet zu Hause wartest und du dir vorstellst, dass er oder sie gerade fremdgeht oder bestimmt gleich anruft und durch die Tür kommt und die Trennung verkündet.

Schon mal überlegt, dass…?

Schon mal überlegt, dass es vielleicht andere Gründe haben könnte, die nichts mit dir zu tun haben? Zum Bsp. Länger arbeiten ohne eine Möglichkeit, zu telefonieren, total vertieft in eine Aufgabe oder einfach mal kein Bock, weil derjenige einfach mit sich beschäftigt ist und seine Laune, aus Rücksicht und Liebe, dir als Partner, nicht zumuten möchte? Kurz, er weiß nicht, dass er dich trifft oder was es auslöst, geschweige denn will er, dass du leidest oder seelischen Schmerz leidest. Denk mal daran, wie oft du Sachen gemacht hast, die einen anderen Menschen verletzt oder gekränkt haben und diese Menschen dir eine Absicht unterstellt haben, die meilenweit von deinem Denken oder deiner Intention waren.

Trennungen und Beziehungsende

So hart es klingt: Auch die Unfähigkeit, nach einer gewissen Zeit eine Trennung bzw. das Ende einer Partnerschaft zu akzeptieren bzw. mit dem Leben vernünftig weiterzumachen, hat damit zu tun. Manchmal fühlt ein Partner früher, dass die Beziehung für ihn keinen Sinn mehr macht oder er sich anderweitig verliebt. Dieser Partner will den anderen nicht boshaft verletzen oder ihm Schmerzen bereiten. Er macht einfach einen für ihn logischen und ehrlichen Schritt.

Mein Schmerz oder meine Verletztheit rühren aus meiner Geschichte und meiner Interpretation der heutigen Situation und was ich über mich selbst denke. Der Satz von Robert Betz trifft es für mich:

NIEMAND kann dich verletzten, wenn Du es nicht selber schon getan hast.

Du Hure – Du Betrüger

Das heißt, der Satz: Du bist blöd. Du bist eine Hure oder ein Betrüger, verletzt dich nicht, weil er etwas mit der Wahrheit zu tun hat, sondern weil du so über dich denkst. Das heißt nicht, dass dich jemand so nennen darf oder man so miteinander reden sollte. Nein, ich möchte euch einfach einladen, einen Mechanismus zu verstehen und vielleicht das nächste Mal besser damit umzugehen.

Wie gehe ich mit dem Schmerz um? Was kann ich tun, um mich zu schützen?

Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, zu verstehen, dass wir alle, egal wie selbstbewusst und stark wir uns glauben, verletzliche Stellen haben und uns nicht vor allem schützen können. Wir kennen unsere wunden Punkte oft gar nicht. Und dann treten Menschen in unser Leben, denen wir unser Herz öffnen, auf die wir uns einlassen und plötzlich Ängste oder Gefühle in uns hoch kommen, mit denen wir gar nicht gerechnet haben. Für mich ist es wichtig, hier achtsam zu bleiben und für sich zu prüfen: Hat dieses Gefühl mit der aktuellen Situation zu tun, oder ist es etwas Altes? Realitätscheck.

Es ist vollkommen Ok, dass wir uns verletzt, ängstlich oder verärgert fühlen und dies auch ausdrücken, solange wir bei uns bleiben und nicht den anderen dafür verantwortlich machen. Wie gesagt, unser Partner weiß vielleicht gar nicht, dass er uns verletzt hat und wir ein Problem mit etwas haben, welches für ihn belanglos ist. Ich denke, es ist Ok, zu sagen: „Deine Äußerung oder dein Verhalten hat mich verletzt oder beunruhigt. Ich glaube nicht, dass du es mit Absicht getan hast.“

Eine der ersten Schritte in der Überwindung von Verletzungen, Angst oder Eifersucht ist die Annahme der Gefühle. Es ist in Ordnung, dies zu fühlen, auch wenn es einen manchmal in den Wahnsinn treibt. Das ist menschlich und du bist Mensch. Also alles ok.

Danach würde ich mir die Verletzungen anschauen und sie nicht übergehen (sowas lässt sich nicht ignorieren und kommt immer wieder). Vielleicht ist offensichtlich, woher die Verletzung kommt und es reicht, ihre Ursache zu verstehen und sie zu überwinden.

Sich bescheißen

Wenn Traumata oder Verletzungen jedoch so tief und so versteckt sind, dass sie gesunde Beziehungen und ein normales Leben schwer machen, ist es für mich sinnvoll, Unterstützung von außen zu holen. Es ist vollkommen natürlich und es gibt auch keinen Grund, sich zu schämen. Es tut gut, zu wissen, dass es noch mehr Menschen gibt, die das gleiche erlebt haben. Und es muss ja auch im persönlichen Umfeld niemand wissen. Es gibt genug anonyme Gruppen und Anlaufpunkte, die das möglich machen. Und selbst wenn ein „Fachmann für Gefühlszustände“ nötig ist, darfst du dir sicher sein, dass dies Ok ist. Weil er Menschen mit ähnlichen Tiefschlägen schon kennt und dich deswegen vielleicht auch überraschend schnell auf einen guten Kurs lenken kann.

Klar gibt ein Buch oder ein Internet Blog erste Hinweise und man fühlt sich verstanden. Doch oft reicht dies nicht, um dies zu überwinden, weil man sich selbst nicht reflektieren kann. Inwieweit etwas überwunden ist, und dann das Buch oder den Artikel zur Seite legt und sich gerne selbst „bescheißt“ und die Wunde dann beim nächsten Trigger überraschend aufreißt.

Zeit

Was für mich in der Überwindung von Verletzungen und Schmerzen wichtig ist – ZEIT.

Kein Mensch, keine Statistik oder Untersuchung hat mir vorzuschreiben wie lange ich trauere, wie sehr mich etwas zu verletzen hat oder wie ich etwas zu lösen habe. Manchmal reicht ein Satz oder eine Erkenntnis, manchmal sind viele Gespräche und Lektionen notwendig, um etwas zu überwinden. Es ist ein individueller Weg, es ist dein Weg. In Länge, Dauer und Strecke.

Kümmere Dich gut um dich, um deine Seele und alles was dich glücklich macht. Tue es hauptsächlich an allererster Stelle für dich, dein Herz und dann für die Menschen, die dir wichtig sind.

Für die, die nach uns kommen, müssen wir's erreichen,
ignorier'n wir die Zeit der Zeichen.
Geh' davon aus, dass mein Herz bricht…

Text Söhne Mannheims/ Geh davon aus

Denn was immer Ihr tut…

Folgt eurem Herzen

euer Big Rodsch

cr/ rb 2013