Big Rodsch - The Blog

Big Rodsch - The Blog

Big Rodsch

Leben, Lieben und Loslassen... Erfahrungen - Gedanken - Impulse

Das Glück des Verlassenwerden

ExperiencesPosted by Roger Bornhauser Sat, March 22, 2014 23:09:49

Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, so denken wir, alles sei verloren. Aber dabei beginnt doch nur etwas Neues und Gutes. Leo N. Tolstoi


Für
mich ist es vollkommen egal, wie lange wir um eine vergangene Beziehung trauern oder nachdenken. Wir sind traurig, wütend oder enttäuscht. Manchmal Monate, oder Jahre. Es darf dauern, solange es dauert und niemand kann uns vorschreiben, dass es lächerlich oder längst vorbei sein müsste. Menschen sind ein Teil unseres Herzens geworden und das können wir nicht wegschneiden wie braunes Stück vom Apfel. Die Trauer ist ein Teil von uns und gehört genauso dazu wie die Freude, die uns diese Beziehung bereitet hat.

Woran kann man erkennen, dass Du ein Beziehungsende verarbeitet hast oder wie weit Du bist. Ich rede bewusst nicht von Trennung, Verlust, weil es meiner Meinung nach noch genauer definiert, was zum Ende der Beziehung geführt hat, wie man es selbst bezeichnet und da lohnt es sich, noch genauer hinzuschauen.

Deswegen zurück zur Verarbeitung. Egal, wer es beendet hat, jeder ist mehr oder weniger traurig und denkt darüber nach, was passiert ist und stellt sich Fragen, klagt sich, die Welt oder den anderen an.

Für mich ein absolut normaler Prozess der gesund ist, wenn sich irgendwann die Erkenntnis einstellt, das Nichts hätte anders laufen können oder wir es hätten besser machen sollen.

Eine Schlüsselerkenntnis hatte ich durch einen Bericht über eine Patientin, die an einem Aneurysma gestorben ist, obwohl Sie kurz zuvor im CT war und dies nicht entdeckt worden war. Für mich hatte das den Anschein: Es war nicht zu verhindern. Das ist ein tragisches Beispiel, das für viele schwere Momente steht, die wir nicht erklären können.

Meine schönsten und besten Momente im Gegensatz dazu, hätte ich nicht so wunderbar planen oder vorhersehen können, wie ich sie nachher erlebt hatte. Eine gute Freundin von mir formulierte es humorvoll:

Willst Du Gott zum Lachen bringen, mach Pläne. Tanja D.

Du hättest nie offener sein müssen und weniger eifersüchtig oder dich mehr einlassen. Hätte es sein sollen und wäre es echt gewesen, von beiden Seiten, würdet Ihr jetzt noch Sterne zählen. Ganz einfach!

Die Zeit heilt nicht. Sie gibt uns einfach nur die Möglichkeit, die Dinge mit einem größeren Abstand zu sehen, um zu erkennen, es war nicht anders möglich. Umstände die ganz anders wahrgenommen wurden, sowie persönliche Entwicklungen und Reifeprozesse, die nicht weit genug entwickelt waren, um die Beziehung weiter wachsen und vertiefen zu können.

Das Ende und der Schmerz können einen aufwecken und erkennen lassen, dass noch alte Wunden geheilt werden müssen, die sonst immer wieder auf den bestehenden Partner oder die Beziehung projiziert werden und diese neue Liebe belasten. Das Ende einer Beziehung kann also zu etwas ganz Neuen Wunderbaren führen - vielleicht zu Dir selbst und einem neuen Gefühl für Dich, deinem Partner und dem Leben.

Zu Thema Verlassen und Neuanfang möchte ich mit euch ein Gedicht des Vordenkers David P. Pauswek teilen, dass es für mich traurig-schön auf den
Punkt bringt.


Am Abstellgleis

Ich bin nicht mehr sicher, ob ich dich haben wollte, wenn ich dich haben könnte, aber ich bin sicher, dass ich dich haben möchte, seit ich dich nicht bekommen kann.

Als ich dich hatte, war ich ein König und alle konnten das sehen. Seit ich dich nicht mehr habe, bin ich ein Bettler vor meiner eigenen Tür. Ich bettle mich selbst an, dich zu vergessen, aber ich gestatte es mir nicht, denn das Aufgeben ist mir ebenso fremd wie die menschliche Gattung.
So viele Leben wandle ich nun schon unter den Wahnsinnigen und habe sie doch niemals richtig verstanden. Ihre Art zu lieben ist mir fremd.
Ich begreife nicht, wie sie Oberflächlichkeiten als Hindernisse für das Lieben betrachten können. Ich begreife nicht, wie sie eine Person gegen die andere tauschen und dabei von Liebe sprechen können.

Alles, was ich weiß, ist, dass ich deine Stimme immer noch hören kann und das Feuer deiner Lippen immer noch auf den meinen brennt und mein Schoß immer noch in Flammen steht, wenn ich deine Bilder sehe, mein Herz einen Schlag auslässt, wenn ich deinen Namen vernehme, meine Träume dich immer noch rufen und meine Tage nicht mehr in jenen Farben leuchten wie damals, in jener kurzen aber heiligen Zeit unseres Beisammenseins.

Ich spiele mit dem Lächeln anderer Frauen und forme es im Geiste zu deinem Lächeln. Ich sammle ihre Bewegungen und werfe sie zusammen in der Hoffnung, sie würden zu den deinen. Ich vollbringe Heldentaten im Geheimen, weil ich möchte, dass nur du sie sehen kannst. Ich zähle die Tage, so als hättest du mir ein Datum für deine Rückkehr genannt. Ich warte an einer Haltestelle, durch die niemals mehr ein Zug fahren wird. Ich rufe ein Taxi und nenne eine Adresse, die ich nicht kenne.

Ich weiß, du hast mich verlassen, damit ich mich selbst finde, doch wo ich stets zu finden bin, das ist im Spiegel deiner Augen. Wenn ich also nicht bei dir bin, wo bin ich dann?

Text “Am Abstellgeleis“: David P. Pauswek, © 2012



Ihr seht, verlassen werden hat auch seine Poesie.

Folgt eurem Herzen.

Euer Big Rodsch






cr/rb 2013